#Lokalgeplänkel

Glaube trifft Podcast: Pfarrer Hasse im Talk

Dennis Hentschel, Patrick Schumann Episode 109

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Wir sprechen mit Pfarrer Bernhard Hasse darüber, warum aus mehreren kleinen Kirchengemeinden eine neue Struktur entsteht und was Verwaltung, Gebäudeerhalt und Gemeindeleben heute wirklich bedeuten. Dabei geht es um Identität, Ökumene vor Ort und die Frage, wie Kirche als Kulturort und Gemeinschaftsraum offen bleiben kann.

  • Gründe für die Fusion kleiner Kirchengemeinden und die 300-Mitglieder-Grenze der Landeskirche
  • Verwaltungsrealität einer Körperschaft öffentlichen Rechts mit Datenschutz, Prävention und Immobilienplanung
  • Entstehung der evangelischen Christophorus-Kirchengemeinde an der Mönchmühle aus Blankenfelde, Mühlenbeck, Schildow und Schönerlinde, dazu die Namensidee Christophorus als „Christusträger“
  • Diskussion um Dorfkirchen, Denkmalschutz und die Zukunft der Gebäude
  • Nutzung der Kirchen heute mit Gottesdiensten, Konzertreihen und Spendenmodell ohne Eintritt
  • Warum sich evangelisch und katholisch unterscheiden, von Reformation bis Sakramente und Abendmahlsverständnis
  • Praktische Ökumene in Schildow durch gemeinsame Nutzung von Gemeinderäumen
  • Pfarralltag zwischen Seelsorge, Beerdigungen und Organisation
  • Jugendzeltlager, Konfirmandenarbeit, Silent Disco und der kommende Gospelworkshop Ende August

Aufzeichnung vom: 16.07.2026

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Willkommen Und Gast An Bord

SPEAKER_00

Hey, aufgepasst und umgespitzt. Ihr hört Lokalgeplänke. Der Podcast mit Stunden aus dem Nübecker Land. Mit Dennis Henste und Patrick Sturman am Steuer. Starten wir eine explosive Reise durch unsere Gemeinde und drumherum. Macht euch bereit. Lacht, staunt und diskutiert mit uns. Und vor allem hört nicht auf zu laut.

SPEAKER_02

Hallo und herzlich willkommen beim Lokalgeprenk im Nübenbecker Land. Hallo Dennis. Hallo Patrick, grüß dich, ne? Heute für alle YouTuber, wir machen heute mal ohne Video, denn wir haben heute einen Gast, mit dem wir eine Podcast-Episode zusammen aufnehmen wollen. Und sobald ich gleich zu ihm komme, werden wir Ihnen vorstellen, ihr habt schon hervor, es ist eine männliche Person, die an unserer Seite ist. Dennis vorher noch für dich so eine kleine Sache aus der letzten Episode. Ich habe doch über die Klanglandschaften erzählt.

SPEAKER_03

Ja.

SPEAKER_02

Und es war ja für mich so ein bisschen, ich habe ja wirklich auch ein bisschen, wie sagt man, vom Leder gerissen.

SPEAKER_03

Ja, du hast deine Impressionen da so gemacht. Ja, ja.

SPEAKER_02

Und dann im Nachhinein habe ich mir die Episode selber nochmal angehört und dachte mir so, Mensch, das stimmt eigentlich. Vor allen Dingen hat die Betreiberin mich auch nochmal angeschrieben. Und dann habe ich mir gedacht: So, weißt du was, meine Perspektive drauf und ihre Perspektive. Ich werde sie mal einladen. Ich werde mich mit ihr hier vor dem Mikrofon mal unterhalten.

SPEAKER_03

Ja.

SPEAKER_02

Und heute Abend geht noch eine E-Mail-Einladung raus, weil wir, glaube ich, zwei total unterschiedliche Ansichten haben und ein Verständnis dafür, was das Ganze sein soll.

SPEAKER_03

Ja, du hast mir die E-Mail ja gezeigt.

SPEAKER_02

Ja, genau. Und ich denke mir so, jetzt wiederum eine andere E-Mail darauf zu schreiben, das passt doch gar nicht. Und vor allen Dingen kann man sich auch nicht so gut austauschen, wie als wenn man sich persönlich trifft.

SPEAKER_03

Naja, und auch Kunst lebt ja vom Diskurs. Also Kunst soll ja mal ausdrücken, jeder einen jemanden empfinden auf die künstlerischen Darbietungen, Malereien und sonst wie. Und bin ich ja mal gespannt, was das für eine Folge wird.

SPEAKER_02

Aber ja, warum nicht? Ich wollte schon mal sagen, dass er in der Zeit, ich brauche dann mal deinen Platz. An der Stelle wird noch nicht. Ah, du wirst es quasi ausladen.

SPEAKER_03

Aber sag mal lieber, ich bin ja zwei Wochen im Urlaub. Wäre doch nicht schlecht, wenn er die Zeit nutzt.

SPEAKER_02

Ich mache den Vorschlag und bis das soweit ist, haben wir heute erstmal einen besonderen Gast, der ja schon einen großen Namen bei uns in der Gemeinde hat, würde ich sagen. Viele Leute kennen ihn, einige vielleicht noch gar nicht. Und deswegen war es mir persönlich sehr wichtig, ihn heute hierher zu uns mal ein Studio einzuladen und über die Kirchengemeinden oder die Kirchengemeinde, die er betreut, mal zu sprechen.

SPEAKER_03

Ja, und jetzt könnte man denken, die Kirchengemeinde Mühlmecker-Land, ne? So wie ich es aber schon ein bisschen rausgehört habe. Hab ich auch gedacht, ja. Ja, gibt es das ja nicht so wirklich, sondern es ist ja etwas anders fragmentiert, als wir es uns vielleicht so als Gemeinde vorstellen. Aber da wirst du wahrscheinlich Ihnen gleich mal die

So Funktioniert Die Gemeindefusion

SPEAKER_03

Frage stellen.

SPEAKER_02

Und bevor wir hier rumrätseln, zwische ich mal direkt rüber. Hallo und herzlich willkommen heute hier im Studio. Hallo Farase. Guten Tag. Ja, hallo, willkommen. So, und jetzt gleich gerne mal diese kurze Aufklärung. Wir beide haben das nämlich missverstanden. Wir dachten, das Mühlenbecker Land ist eine Kirchengemeinde. Und als vor, korrigieren Sie es gerne, vor ein bis zwei Jahren wurden die Kirchengemeinden zusammengelegt, haben wir gedacht, alle vier Ortsteile im Mühenbecker Land sind jetzt eine Kirchengemeinde, aber das haben wir falsch verstanden.

SPEAKER_01

Also in der Vergangenheit hatte jeder Ort seine eigene Kirchengemeinde. Es gab zwar nicht in jedem Ort eine Fahrstelle. Das war also vor Jahrhunderten war es so, dass in Schöner Linde die Fahrstelle war und der Pfarrer musste immer hier rüber. Wahrscheinlich damals mit dem Pferdevorwerk oder zu Fuß nach Müllenbeck, nach Schildo, Gottesdienste halten, Beerdigung und anderes. Und das hat sich aber immer auch ein bisschen hin und her entwickelt. Schildo kriegte dann eine eigene Fahrstelle und Mülenbeck, sodass wir also hier in jedem Dorf eine eigene Fahrstelle hatten. Ist aber nicht mehr so lange gewesen. Also wir hatten seit Anfang der 80er Jahre hier eine Fahrstelle für Schildo und Mülenbeck. Schildo wurde mitverwaltet von Mülenbeck aus. Und jetzt gab es nochmal einen Schnitt, dass vor ein paar Jahren unsere Landeskirche gesagt hat, ab 2026, also dieses Jahr, was wir jetzt haben, wird es keine Kirchengemeinde mehr geben, unter 300 Gemeindegliedern. Hat den Hintergrund nicht nur, dass insgesamt die Zahl der Christen sinkt und damit auch die Zahl der Kirchensteuerzahler, die das Ganze am Leben erhalten und aufrechterhalten, dass die Arbeit passieren kann, sondern auch, dass wir ja eine Körperschaft öffentlichen Rechts sind als Kirchengemeinde. Das heißt, wir müssen bestimmte Dinge erfüllen, wie auch Leute, die ein Geschäft haben, die ein Unternehmen haben. Wir müssen für Datenschutz sorgen, für Umweltschutz sorgen und diese ganzen Sachen auch beraten und beschließen und müssen die Gebäude instandhalten. Und das erfordert auch einen hohen Verwaltungsaufwand. Und da empfiehlt es sich, dass man das bündelt zusammen. Nicht, dass jedes kleine Dorf einen extra Datenschutzbeauftragten hat oder einen Arbeitssicherheitsbeauftragten oder einen für, das ist jetzt auch in den letzten Jahren ein heißes Thema geworden: Prävention, sexuelle Gewalt, also Übergriffe, dass wir das in den Blick nehmen und gucken, wie unsere Räume gestaltet sind, wie bewegen wir uns mit den Leuten, die uns anvertraut sind. Und gibt es da irgendwelche Gefahren, dass irgendwas passieren kann? Wenn man nicht drauf achtet und nicht drüber spricht, passiert dann vielleicht doch was und alle denken, bei uns passiert nichts. Und das ist jetzt also in den letzten Jahren ein großes Thema bei uns. Da gibt es inzwischen auch

Verwaltung Datenschutz Und Prävention

SPEAKER_01

ein Konzept von seinem Kirchenkreis mit Regeln, die wir dann, wenn wir zum Beispiel mit Jugendlichen wegfahren, dann auch mit denen vorher besprechen, mit den Jugendlichen, die da als Teamer mitfahren, als Jugendleiter, worauf sie zu achten haben im Umgang mit jungen Leuten, mit Gruppen. Also das sind ganz viele Themen, die.

SPEAKER_03

Also eigentlich wie auch bei einer anderen Jugendbetreuungssache oder wie auch andere Körperschaften machen müssen, muss ich die Kirche genauso machen. Und beim Thema Datenschutz, kleiner Funfact, aber einer liest doch immer mit, oder? Wie? Einer liest doch immer mit.

SPEAKER_01

Der vom Himmel meinen Sie. Ja, genau. Nein, aber wenn es jetzt heißt. Aber der koppelt nicht zurück. Der koppelt nicht zurück, bestimmt. Aber einer liest immer mit. Nicht direkt.

SPEAKER_03

Manchmal nochmal die Frage, wenn jetzt heißt Kirchengemeinden, werden es zusammengelegt, das heißt natürlich nicht, die Kirche wird abgebaut irgendwo, weil wird nicht mehr gebraucht, sondern die Gebäude und bleibt schon alles so. Halt nur, dass quasi verwaltungstechnisch, die nicht mehr in mehreren Einzelgruppen organisiert sind, sondern mehr oder weniger zentral koordiniert und verwaltet werden. So wie bei einer Gemeindezusammenschließung von Mürenbecker Land damals, von den Einzelgemeinden, man vielleicht Synergien genutzt hat, ist es jetzt quasi in dem Fall auch so.

SPEAKER_01

Also ich habe das schon neulich mal gesagt, wir haben eigentlich dem Mürnbecker Land nachvollzogen. Das war ja damals eigentlich auch ein verwaltungsmäßiger Zusammenschluss mit den vier Ortsteilen hier, Zürsdorf, Schönflies, Mürenbeck und Schildow. Und sowas haben wir praktisch in der Art jetzt auch kirchlich vollzogen, nur dass es eben sich anders entwickelt hat. Ich hätte mir es auch in der Richtung gewünscht, dass wir an die kommunalen Strukturen anpassen, weil das dann manchmal einfacher macht. Aber es kamen dann die Schöner Linder und sagten, wir wollen nach Mürnbeck und die sind aber im Landkreis Barnim. Und es kam die blanken Felder und sagten, wir wollen uns nicht da in Berlin anhängen an die großen Gemeinden, sondern wir wollen nach Schildo. Und dadurch ist dann jetzt ein buntes Ding entstanden hier mit blanken Felder, Schöner Linde, Schildo und Mürnbeck. Die Hälfte Mürnbecker Land, die andere Hälfte, Stadtbezirk, Pankow und. Und wie das läuft nachher in Zukunft, weiß ich noch nicht genau. Wir haben ja dann auch unterschiedliche kommunale Ansprechpartner.

SPEAKER_03

Also wie so ein Pflaster über mehrere Landkreise.

SPEAKER_01

Und das ist aber entstanden, weil von oben von der Landeskirche her gesagt wurde, wenn ihr kleiner seid, müsst ihr euch irgendwo angliedern und hat das aber den Kirchengemeinden selbst überlassen. Die haben nicht von oben gesagt, ihr geht mal dahin und geht mal dahin. Das ist also ein demokratischer Prozess gewesen, aber der hat manchmal so eine Folgen und da kann man sich jetzt darüber streiten, ob das.

Namenssuche Und Warum Christophorus

SPEAKER_01

Wir sind jedenfalls jetzt vor, also seit dem 1.1.25 Uhr sind wir eine Gemeinde. Das war auch noch eine heiße Debatte, den Namen, wir mussten uns einen Namen geben. Und das sollte natürlich jetzt nicht Schildung, Mürnberg, Blankenfelde, Schöner Linde. Geht nicht. Ja. Und sondern wir mussten irgendeinen Namen finden. Und der sollte einerseits einen Ortsbezug aufweisen, damit man auch, wenn man den Namen liest oder hört, auch weiß, aha, in der Gegend ist es. Es ist spannend, jetzt zu finden, was das Ganze, was alle Teile verbindet. Und dann gab es Kirchenälteste, die haben gesagt, aber irgendwie sollte auch inhaltlich was zum Ausdruck gebracht werden. Und da waren viele Namensvorschläge, Brückengemeinde, wir bilden Brücken zwischen den Menschen oder Ankergemeinde, da findet man halt und Hoffnungsgemeinde, Versöhnungsgemeinde, aber die Hoffnungsgemeinde und Versöhnungsgemeinde gibt es bei uns in der Nähe schon. Und am Ende ist es dann Christophorus geworden. Christophorus. Das ist ein griechisches Wort, heißt übersetzt: der Christusträger. Der trägt Jesus Christus. Das ist eine Legende von einem, der immer gesucht hat, den höchsten Herrn gesucht. Und der hat allem Mücken gedient, irgendwo auch eine Zeit lang wohl dem Teufel, und merkte aber, das ist alles nichts. Und dann hat er als Fährmann gearbeitet und hat die Leute durch eine Purt getragen. Mit so einem Stecken ist er durch das tiefe Wasser gegangen, hat die Leute getragen durch eine Furt. Und irgendwann saß da mal ein Kind und sagte, kannst du mich bitte rübertragen? Und dann hat er gedacht, naja, gut, klar, Kind ist ja wirklich kein Problem. Und als er durch den Fluss gegangen ist, wurde das Kind immer schwerer, immer schwerer. So dass er es fast gar nicht geschafft hat. Und kommt am anderen Ende an und dann sagt das Kind, ja, du hast den Herrscher der Welt getragen. Deswegen war das so schwer. Weil du dir die ganze Welt auf deinen Schultern getragen hast. Es war Jesus Christus. Das ist die Legende. Und das Nette an der Legende, das hat dann einer unserer Ältesten, Markus Rottmann, dann auch nochmal besonders darauf hingewiesen. Da fand ich schön. Dass dann, er hatte so ein Stecken, der Christophorus, mit dem er sich also gestützt hat, wenn er durchs Wasser ging. Und den hat er dann in den Boden gerammt. Und der Stecken war eigentlich totes Holz und ist ausgetrieben. Grüne Blätter. Und diese grünen Blätter, die findet man jetzt auch auf unserem Gemeindebrief auf unserer Webseite. Das hat sich jetzt als Motiv. Ein Hoffnungszeichen. Grünes Hoffnungszeichen.

SPEAKER_03

Naja, gute Blätter haben wir hier auch genug, ist ja reichlich beschert im Mühlmecker-Land, aber auch in ihren zwei anderen Orten, sage ich jetzt mal. Da können wir jetzt nicht von der Kirchengemeinde Mühlmecker-Land, sondern die Christophorus-Kirchengemeinde. Ja, also. Wir fangen nochmal zusammen: Schöner Linde, Schönflies, Mühlmecker-Land. Nee, nee, nee.

SPEAKER_01

Schöner Linde, Blankenfelde, Schildo und Mühlenbeck.

SPEAKER_02

Die vier. Mir fällt gleich ein, Schöner Linde war damals das Pfarrhaus, haben Sie gesagt. Mittlerweile sitzen sie aber im Mühlbeck, ne? Im Pfarrhaus. Und das ist auch Ihr zentraler Punkt, von dem Sie aus dann die vier Teile besuchen. Und gibt es dann in jedem Teil auch eine eigene

Kirchen Erhalten Oder Aufgeben

SPEAKER_02

Kirche, die Sie dann besuchen, regelmäßig?

SPEAKER_01

Genau, das hatten Sie eben gesagt, dass also die Frage wäre ja, ob man verwaltungsmäßig auch Kirchen abgeben könnte. Und das wird tatsächlich im Moment diskutiert. Wir sind jetzt gehalten, Gebäudebedarfsplanung zu machen, Immobilienplanung, weil ja auch das Gelder kostet. Und das ist natürlich die Herausforderung, weil diese Kirchen ja auch Kulturgut sind. Die sind ja einfach nicht nur genutzte Gebäude und ganz nett zu nutzen. Das wäre praktisch, wenn wir jetzt sagen könnten, wir geben drei von den vier Kirchen ab und konzentrieren uns auf ein Gebäude. Das kriegen wir auch gut finanziert und erhalten. Aber die sind einfach so schön und jede Kirche hat ihren eigenen Charakter. Und sie gehören zum Dorf. Stellen Sie sich vor, es würde hier in Mühenbeck in der Mitte die Kirche fehlen. Und da wären, glaube ich, nicht nur die Christen daran interessiert, eben auch, dass das Kirchengebäude stehen bleibt. Und das ist die Aufgabe für die Zukunft.

SPEAKER_03

Naja, man kann es ja nicht verkaufen. Wir kaufen eine Kirche. Ja, klar, gibt es Immobilienleute, die machen eine Eigentswohnung draus, aber will man ja auch nicht, weil in 100 Jahren sieht die Sache wieder anders aus. Und die Gebäude sind ja meistens, weiß ich nicht, 1000 Jahre, 800, 500, 600, also schon sehr alt. Unterschiedlich, ja. Haben jetzt einige überlebt und nur weil man jetzt zusammenschließt, heißt ja nicht, dass man in 100 Jahren wieder auseinanderdröselt und dann braucht man die Kirche wieder und dann sind sie weg.

SPEAKER_02

Ich glaube, bei uns kann man vielleicht sogar sagen, ich meine, wir hatten die 850-Jahrfeier und ich glaube, damals war das mit 650. Ja, ich gehe auf 650. Und dann würde ich was sagen, mit so einer Gründung von einem Ort, mit Sicherheit, unmittelbar danach in der Vergangenheit, wurde dort auch eine Gemeinde gegründet, ne? Oder ist sogar so eine Gemeindegründung noch nicht? Aber das ist damals einhergezogen, ne?

SPEAKER_01

Ich weiß es nicht ganz genau, das habe ich noch nicht ganz genau rausgekriegt, weil es mir an Zeit fehlt, mich mit der Geschichte intensiv zu befassen. Das interessiert mich eigentlich auch brennend. Ist die Mönchmühle hier der Ursprung gewesen? Also, da sind ja Mönche aus dem Kloster Lenin gekommen, Zister Zensermönche, die diese Mühle eingerichtet haben. Und die Zister Zenser haben hier die Wirtschaft angekurbelt damals im Mittelalter. Und haben, also hier war es eben die Mühle, woanders haben sie andere Dinge in Gang gebracht, auch dass das Land bewirtschaftet wurde und haben dafür gesorgt, dass das alles in Gang kommt, als das hier besiedelt wurde. Und das ist für mich die Frage, waren erst die Mönche da mit der Mühle und dann sind die Dörfer entstanden oder waren die Dörfer schon eher und wann gab es eine Kirchengemeinde? Das habe ich bisher noch nicht rausgekriegt und weiß ich auch nicht, ob man das so genau festmachen kann, seit wann es wirklich diese Gemeinden als Gemeinden, als Dorfgemeinden gab. An den Kirchengebäuden kann man natürlich was festmachen und die sind in der Regel im 13. Jahrhundert entstanden hier. Schönflies ist die Kirche, die nun nicht zu uns gehört, aber das ist eine alte Feldsteinkirche, die noch dieses Alte hat, jedenfalls die Feldsteinmauer. Manche andere ist der Turm, ist dann später dran gebaut. Auch Blankenfelde ist noch so eine alte Feldsteinkirche. Es standen hier auch an den anderen Dörfern, also Schöner Linde gibt es auch eine alte Feldsteinkirche. Und Mülenbeck und Schilde sind neu gebaut worden. Das heißt, das ist auch ein bisschen Spur der Zeit. Ende des 19. Jahrhunderts zogen hier mehr Leute her. Da wuchs die Gegend auch wirtschaftlich. Und dann hatte man in Mülenbeck irgendwann an den König geschrieben: da war der König nämlich der oberste Bischof. Es gab keinen Bischof in der Kirche damals im 19. Jahrhundert, der Kaiser war. Und dann haben sie gebeten und gesagt, wir brauchen eine Kirche, die größer ist. Unsere Konfirmierten passen nicht mehr alle in die kleine Kirche rein. Und ähnlich war es in Schildur 1897, ist da die alte Kirche oder vorher 1995 oder so ist, abgerissen worden und dann 1897 die neue gebaut worden und eingeweiht worden. Da haben die sich das schön gemacht und etwas größer als vorher. Aber ursprünglich sind diese Kirchen aus dem 13. Jahrhundert.

SPEAKER_03

Warum habe ich gerade mein Handy geguckt, weil ich auf der Nordbahn-Appe geguckt habe, wir haben ja da auch über die Gemeinden jeweils eine Seite. Und ich bin der Meinung, da eigentlich zu dem Thema Mönchmühle und Gründung, was die innen geschrieben zu haben, aber offensichtlich nicht. Sonst hätte ich mich nicht sagen können, das ist irgendwie die Jahreszahl, aber wir haben jetzt nicht rausbekommen, so schnell.

SPEAKER_02

Wir haben das Thema angesprochen gerade, Kirche, Gebäude abgeben oder nicht abgeben. Und mit Sicherheit ist es natürlich Ihr Wunsch und Ihren Herzensangelegenheit, dass die vier Gebäude auch halten bleiben. Aber wahrscheinlich wird irgendwann von irgendeiner Seite auch aus Madruck kommen, wo gesagt wird, Mensch, sie müssen da ein bisschen was einkürzen. Ich selbst bin im Berliner Stadtgebiet, im Service, ziemlich viel unterwegs und ich sehe oft kleine Schilder, wo dann eine Kirchengemeinde ist. Und dann stelle ich so fest, manchmal kann ich auch die Räumlichkeiten mal besuchen oder sehen und denke mir so, ihr habt eine Kirchengemeinde ganz normale Räume. Also keine Kirche richtig. Sondern halt nur ein Gebäudeteil, ein Seitenflügel, wie auch immer. Und auch wenn ich selber nicht gläubisch bin, zumindest in dem Rahmen, dass ich mich als Christ bezeichnen könnte, erkenne ich aber an, was so ein Gebäude ausmacht oder was das so für eine Stimmung daher gibt. Befindet sich denn gerade eins der Gebäude in dem Zustand, wo sie sagen müssen, wir müssten es vielleicht abgeben oder bleiben die jetzt gerade aktuell noch erhalten? Gerne jetzt erstmal Schildo Mühmbeck. Gibt es da irgendwelche Stellen, die sagen, überlegt mal, welches ihr davon zumachen müsstet?

SPEAKER_01

Also im Moment haben wir tatsächlich die Diskussion grundsätzlich angestoßen vom Kirchenkreis her oder von der Landeskirche. Wurde gesagt, ihr überlegt euch mal, wie ihr das finanziert kriegt. Und da werden wir ein bisschen gedrängt, auch drüber nachzudenken, gibt es irgendwelche Möglichkeiten, eventuell abgeben. Aber das ist eigentlich bei uns bei den Kirchen nicht im Blick, eben weil es diese alten Dorfkirchen sind, die auch kulturell denkmalgeschützt, einen großen Wert haben. Sondern da ist eher die Frage, findet ihr Kooperationspartner? Und da wäre natürlich gerade die Gemeinde Möwnberger Land zum Beispiel als Kooperationspartner, dass man meinetweme Konzerte organisiert in der Kirche oder ähnliches oder andere Veranstaltungen. Die Kirche als Versammlungsort nutzt, auch für andere. Da sollten wir weiter drüber nachdenken. Da sind wir jetzt auch angestoßen worden, drüber nachzudenken. Also, dass die Kirche nicht einen großen Teil der Zeit leer steht, sondern dass sie auch einfach genutzt wird, vielleicht nicht nur für Gottesdienste.

SPEAKER_03

Also wie so eine Multifunktionsbenutzung so

Gottesdienste Konzerte Und Offene Türen

SPEAKER_03

jetzt.

SPEAKER_02

Wenn Sie sagen, jetzt nicht leer steht, wie wird denn eine Kirche heutzutage genutzt? Welche, jetzt sage ich schon Veranstaltung, weil ich so ein Nordborn-App denke, aber welche regelmäßigen Treffen finden in der Kirche statt?

SPEAKER_01

In der Kirche sind natürlich in erster Linie Gottesdienste, die Versammlungen, die wir haben und die wir feiern. Das hat sich allerdings durch diese Fusion, die wir jetzt hinter uns haben, in dem Sinne verändert. Sonst war es eigentlich hier in Schilde und Mühebeck so, dass wir jeden Sonntag in jedem Ort Gottesdienst hatten, teilweise auch im Wechsel Schilde und Mülenbeck. Jetzt ist es so, dass wir vier Dörfer sind. Und dann war der Gedanke, als wir diesen Zusammenschluss hatten, wenn wir eine Gemeinde sind und uns als eine Gemeinschaft verstehen, müssen wir eigentlich da und da gleichzeitig Gottesdienst halten oder sollten wir uns nicht alle an einem Ort zusammenfinden? Hat den Nebeneffekt, dass wir jetzt rein um Gottesdienst haben und dass also rein auf Mülenbeck gesehen, in Mülenbeck dann nur noch einmal im Monat Gottesdienst ist.

SPEAKER_03

Also die Wanderpredigt quasi so rein rum.

SPEAKER_01

Und dass der Versuch ist, dass auch die Leute mal in den Nachbarort gehen. Was mir sehr am Herzen liegt, ich finde es immer wichtig, dass wir eben nicht nur bei uns im Ort verankert sind und gucken, wann ist mal bei uns was los, sondern dass wir auch in den Nachbarort gucken.

SPEAKER_03

Also der Gedanke der Nordbahn-App, den wir versuchen, den hat die Kirche auch entdeckt oder kann.

SPEAKER_01

Was Sie vorhin gesagt hatten, mit der Nordbahn-App, das finde ich extrem wichtig, dass wir nicht bloß auch über den Tellerrand schauen. Und gucken, ach, da sind ja auch noch Leute und mit denen kann man was zusammen machen. Das ist, hat natürlich jetzt im Moment für uns tatsächlich praktisch den Effekt, dass die Kirchen noch seltener als Gottesdienstraum genutzt werden. Ansonsten gibt es noch Konzerte. Da haben wir jetzt eine ganze Menge. Als wir jetzt den Konzertflyer dieses Jahr zusammengestellt haben, ich hatte sonst in Mürenbeck so ungefähr fünf, sechs Konzerte in der Sommersaison. Im Winter ist es zu kalt. Und jetzt waren das dann plötzlich über zehn Konzerte, die wir über es waren noch nicht mal alle, es kommen jetzt noch welche, die spontan entstehen. In den vier Orten. Das kommt auch eine ganze Menge zusammen. Und das ist ja auch schön. Und da ist ja auch die Tür geöffnet für alle. Also natürlich ist jeder herzlich willkommen, zum Gottesdienst auch. Auch da dürfen nicht nur Christen hingehen, sind auch alle herzlich eingeladen zu so einer Zeit der Ruhe, der Stille oder des Feiernens, des Singens oder einfach auf die Orgel zu hören. Aber bei Konzerten stehen natürlich die Türen auch weit offen. Und ich achte auch immer darauf, hier, dass wir keinen Eintritt nehmen, sondern dass die Leute kommen können. Es wird am Ausgang gesammelt. Und da müssen wir gucken, dass wir damit hinkommen. Ist nicht ganz einfach, wenn man Musiker, gute Musiker richtig bezahlen möchte. Die leben ja auch. davon. Aber das finde ich immer wichtig, dass es wirklich offen ist für alle.

SPEAKER_02

Okay, du zuerst.

SPEAKER_03

Aber wenn sie ja sagen, Künstler und so weiter, also ist es ja quasi auch ein indirekter Aufruf an die Künstler, die vielleicht auch welche werden wollen und die vielleicht schon was können, gibt es ja viele, die vielleicht gut singen können und so weiter, wenn die Interesse haben, sich bei Ihnen zu melden, zusammen was zu können und so weiter, und da ist grundsätzlich die Kirche offen, die Kirche quasi auch zur Verfügung zu stellen als Konzert.

SPEAKER_02

Da ging meine Frage nämlich auch hin, sind Sie jetzt der richtige Ansprechpartner dafür oder meldet man sich woanders, wenn man die Idee hat oder die Frage hat, ob ich in einer Kirche eine Veranstaltung, Konzert oder ähnliches durchführen kann?

SPEAKER_01

Da ist auf alle Fälle jetzt das Pfarramt in Mürmberg. Mühembeck ist wirklich das Zentrum jetzt für diese vier Orte. Richtig, es gibt in den anderen Orten in Schildow in Blankenfelde und in Schönerlinde auch Leute, die das selbstständig organisieren. Die Kirstenältesten vor Ort. Da bin ich ganz dankbar. Ich bin da, wir kommen wie die, wie sagt man, da gibt es da so ein Sprichwort. Ja, gut zum irgendwie. Jedenfalls, als ich mich beworben habe hier in Mühenbeck auf die Fahrstelle vor 25 Jahren. Da stand in der Ausschreibung drin, nicht nur die Fahrdienste mit Konfirmandenarbeit und mit Gottesdiensten und Beerdigung und allem, sondern da stand auch, wir wünschen uns die Fortführung der Konzertreihe. Und ich habe dann gedacht, ich bin doch aber eigentlich Pfarrer, ich bin doch kein Musiker.

SPEAKER_03

Oder Intendant, ja.

SPEAKER_01

Aber ich bin dann dadurch dazu gekommen, dass ich verantwortlich war, diese Konzert weiterzuführen und habe das auch versucht weiterzuführen, war viele Jahre mit Schwerpunkt Alte Musik, also Musik auf historischen Instrumenten aus der Barockzeit und ist aber jetzt inzwischen auch gemischt mit vielerlei.

SPEAKER_03

Na, ich sag mal, es gibt ja auch andere Musikinstrumente der Moderne, die in so einer Kirche gut klingen. Also auch Eventmanager ist so ein Teil Ihrer Aufgabe.

SPEAKER_02

25 Jahre, haben sie gerade gesagt. Ja. Mich interessiert es so sehr, spielen Sie selber Orgel?

SPEAKER_01

Nee, Tasten sind nicht meins. Ich habe mal Hänschen klein gekonnt, also ich habe mal ein halbes Jahr lang während der Ausbildung mal irgendwann so ein bisschen, aber die Tasten kann ich nicht bedienen, richtig. Ich mache das zwar manchmal, wenn ich Frust habe und mir jetzt nicht gut geht, dann setze ich mich an diese Orgel, die hat so wunderbare Möglichkeiten in Mürnberg mit zehn Registern. Also Register heißt immer eine Pfeifenreihe. Die eine klingt wie eine Flöte, die andere klingt wie eine Trompete und dann kann man die miteinander mischen und mixen und dann einfach ein paar schöne Töne raus, habe ich auch schon gemacht. Aber das ist eigentlich nicht meins, ich bin hauptsächlich auf der Gitarre am wirken. Damit lässt sich viel schneller was machen, ob es Senioren sind oder ob es Jugendliche sind.

SPEAKER_03

Naja, eine Orgel ist ja gefühlt erst mal ein sehr schwerfälliges Instrument, weil das immer so einatmen, ausatmen, na, klar, wie so ein Blasinstrument. Bei einer Gitarre bist du ja eher zupfend und das ist wahrscheinlich so.

SPEAKER_01

Die Orgel atmet ja selber, das macht ja der Motor. Das ist nicht der Punkt. Die ist einfach ein anderes Format. Bei der Gitarre kann ich einfach mich hinsetzen und mit den Leuten ein Lied sehen.

SPEAKER_02

Mit der Gitarre ist man wendiger durch die Musik. Du meinst die ganze mitnehmen.

SPEAKER_01

Die Gitarre kann ich auch mit unter den Arm klemmen. Die Orgel kann ich nicht unter den Arm klemmen.

SPEAKER_03

Nein, ich meine, Wendigkeit meine ich, bei einer Gitarre kannst du ganz schnell eine andere Akkorde und so. Und bei einer Orgel hast du ja diese einen Atmen ausatmen und du kannst nicht mehr schnell eine ganz andere Stimmungslage machen, glaube ich. Deswegen sage ich ja, das sind diese Register, da gibt es ganz hohe Pfeifen, ganz tiefe Pfeifen. Oder ich habe da noch nicht mal bei uns in die Kirchengeschäfte.

Evangelisch Und Katholisch Kurz Erklärt

SPEAKER_03

Aber eins haben wir noch nicht erklärt. Sind wir jetzt hier katholische oder eine evangelische Kirchengemeinde? Ich habe von evangelisch gehört.

SPEAKER_01

Richtig, wir sind evangelische Kirchengemeinde. Wobei es, das ist, damit sprechen Sie eine interessante Entwicklung an. Also ganz im Ursprung war das ja katholisch vor der Reformation von Martin Luther. Dann wurden wir hier evangelisch. Hat der Kurfürst 1539 dann beschlossen. Jetzt sind alle damals, hat er der Fürst sagen können, welcher Glaube geglaubt wird. Wer die Herrschaft hat, der darf auch bestimmen. Also die Preußen waren dann die Brandenburger waren die Ersten, die dann auch so kulant waren, als sie selber den Glauben gewechselt haben. Eine andere evangelische Richtung, die reformierte Richtung, dann haben sie gesagt, ihr anderen könnt Lutheraner bleiben. Also die Toleranz ist hier in Brandenburg, nachher später Preußen, schon immer groß geschrieben gewesen. Viel eher als in anderen Ländern. Und das heißt, wir sind eigentlich vorwiegend evangelisch hier und dann gab es immer irgendwelche, die von woanders her kamen. Das heißt, erstmal kamen nach Brandenburg ja noch während der Kurfürstenzeit auch Flüchtlinge, Glaubensflüchtlinge aus katholischen Gegenden, die Hugenotten zum Beispiel, die Franzosen, deswegen gibt es ja manche Worte wie Boulette oder so die französische Worte, die in unserer Sprache sich erhalten haben. Theodor Fontane war einer, waren Hugenotte und es gibt bis heute französische Namen, Glaubensflüchtlinge, die als Evangelische verfolgt wurden in Frankreich. Und die der Kurfürst hier aufgenommen hat, der hat alle hierher geholt und gesagt, die Wirtschaft muss brummen und so kamen auch evangelische hierher. Später war es dann andersrum, dass Katholische hierher kamen. Also zum Beispiel als nach dem Ersten Weltkrieg manche aus Westpreußen hier. Achso, hier aus, ja, genau. Die waren ja eher katholisch. Kamen einige Katholiken hierher und haben hier Fuß gefasst, sodass die katholischen Gemeinden hier in der Regel kleiner sind als die evangelischen. Jetzt gab es nochmal einen Schub in den 90er Jahren, als dann aus Bonn die Regierung rüberkam, da waren dann wieder einige Katholiken dabei. Und jetzt ist es so, dass die katholische Gemeinde, ich sag mal, etwas drastisch und salopp schon einen Schritt weiter ist als wir. Wir haben gerade über die Kirchengebäude gesprochen, können wir die erhalten. Und die Katholiken haben in einem langen Prozess und Debatten am Ende festgelegt, dass das Schildwa Gebäude für die Kirche nicht erhalten werden kann. Ach, es gibt noch eine zweite Kirche? Es gibt in Schildur eine katholische Kirche.

SPEAKER_02

Gegenüber, glaube ich. Oder? Da sehe ich ein Kreuz.

SPEAKER_01

Es gibt schräg gegenüber, das fällt manchen, aber das ist gut beobachtet. Da ist ein Kreuz über dem Giebel des Eingangs. Das war mal eine Kneipe. Ich glaube, früher war das die Ausspanne, wenn die Leute aus Berlin fuhren und dann haben sie hier die Pferde neu aufgetankt und dann weiter.

SPEAKER_02

Ich bin aber gespannt, wo zwischen Kneipe und Kirche jetzt gleich kommt.

SPEAKER_01

Dann haben die den Kneipenraum als Kirchsaal ausgebaut, nach dem Krieg. Okay.

SPEAKER_03

Also erzähl mir mal, ich stehe jetzt am Dorfanger in der roten Backsteinkirche und gucke jetzt in welche Richtung?

SPEAKER_01

Du guckst jetzt auf den. Schräg rechts rüber. Richtung, da wo du bist. Also von dem Krieger denkt mal gegenüber.

SPEAKER_02

Hauptstraße 2.

SPEAKER_03

Gegenüber vom Anger. Mittig vom Anger gegenüber. Ja, ich gucke in welche Richtung. Guck Richtung Teppichlan.

SPEAKER_01

Eins weiter noch. Also daneben ist Lücke. Links ist Lücke. Ja. Und rechts neben Lücke ist das. Achso, zwischen Teppichlan und Lücke. Genau. Da ist die katholische Kirche. Ach so. Und da ist jetzt beschlossen worden, dass diese Gebäude nicht erhalten werden kann. Die sind eine ganz große Gemeinde, die sind noch größer fusioniert mit dem halben Norden von Berlin zusammen. Nennt sich St. Franziskus. Und die katholische Gemeinde St. Katharinen in Schildow, die müssen sich jetzt also neue Räume suchen und sind auf uns zugekommen und wir sind jetzt gerade im Verhandeln und haben eigentlich, wir haben schon beschlossen, dass sie im Herbst bei uns in unserer Kirche, in unser Gemeindehaus mit einziehen und wir die Räume gemeinsam nutzen.

SPEAKER_02

Jetzt ganz kurz die Aufklärung in unsere Kirche, in unsere Gemeinderäume, ist das dasselbe?

SPEAKER_01

Nee, es gibt in Schildu ein Haus, was früher Pfarrhaus war, mit Pfarrwohnung und was wir jetzt als Gemeindehaus bezeichnen und wo wir die Gemeindeveranstaltung. Also da sind die Kindergruppen, da sind die Kinderchorgruppen, da trifft sich der Seniorenkreis. Da haben wir im Winter, auch wenn die Kirche kalt ist und nicht beheizt werden kann, haben wir da auch unsere Gottesdienste.

SPEAKER_02

In der Schmalfußstraße?

SPEAKER_01

Nee, nee. Nein, da hinten links daneben, das ist jetzt der Trugschluss Gemeinde und Gemeinde. Also wir haben eine evangelische Kirchengemeinde und kommunale Gemeinde ist auch eine Gemeinde. Sondern evangelische Kirchengemeinde, deswegen Gemeindehaus, das gleich was neben der Kirche steht, ist das evangelische Gemeinde.

SPEAKER_03

Dieses beigefarbene Gebäude kurz vor den Fluss oder was?

SPEAKER_01

Ja, ja. Das ist gleich kurz vor der Stadtpräsidenten.

SPEAKER_03

Ja, ich wusste gar nicht, dass wir auch zwei verschiedene Kirchengemeinden in eine Gemeinde haben oder Ort, ja, und sich quasi so was unterscheidet denn den Evangelen und den Katholik jetzt so im Kernen? Ich glaube, da müssten wir einen neuen Podcast machen, wenn ich da anfange. Okay, ich dachte, das sind zwei, drei Gründe.

SPEAKER_01

Ich kann ja mal versuchen, das kurz zusammenzufassen. Also Martin Luther war einer, der die Reformation damals vorangebracht hat. Es gab auch noch woanders, in der Schweiz gab es parallel dazu auch eine ähnliche Bewegung, woraus die reformierte Kirche entstanden ist. Und Martin Luther wollte eigentlich keine neue Kirche, sondern er wollte die Kirche reformieren. Man spricht ja heute immer von Reformen. Aber bei ihm ging es darum, auf den Ursprung wieder zurückzukommen, dass er gesagt hat, ich lasse nur das gelten, was in der Bibel steht. Vor 1500 Jahren aufgeschrieben und alles, was danach entstanden ist, was sich irgendwelche Leute ausgedacht haben, die heiligen Verehrungen und Ähnliches, sagte, das ist alles mit Vorsicht zu genießen oder sollte man lieber gar nicht, sondern nur das, was in der Bibel steht, darauf gründe ich mich. Und das sind die Evangelen. Und das ist das, woraus das Evangelische entstanden ist. Deswegen haben wir als Evangelische nur zwei Sakramente zum Beispiel, die Taufe und das Abendmahl, wo wir sagen, das ist eine heilige Handlung, da passiert nicht nur von unserer Seite aus was, wenn wir jemandem Wasser über den Kopf gießen, sondern da tut auch Gott was. Und beim Abendmahl, wenn wir miteinander Brot und Wein teilen, ist Gott mitten uns und mit uns verbunden. Da passiert also auch von Gottes Seite was. Bei den Katholiken gibt es sieben Sakramente, auch mit ein bisschen zur Priesterweihe, dass der Priester geweiht wird und das heißt, er ist dann in einem göttlichen Stand sozusagen. Nochmal in einem anderen Stand. Es gibt auch die Beichte, die Martin Luther übrigens auch sehr wichtig gewesen ist, die aber das bei uns nicht zum Sakrament geschafft hat. Ach so. Und anderes letzte Ölung oder Krankenseibung. Also da gibt es mehr Sakramente und wo Luther dann gesagt hat, das und das steht nicht in der Bibel.

SPEAKER_03

Schluss damit, wie man nicht, ja, okay, das da war. Aber das ist doch kurz und knackig verstanden, ja, ja.

SPEAKER_01

Also das ist sozusagen eine Entschlackung der Kirche.

SPEAKER_02

Ich habe es damals, ich habe es mir so gemerkt, dass zu der Zeit von Martin Luther, der hat es initiiert oder war damit involviert, dass viele Kopien der Originalbibel gemacht worden sind und auch den Leuten zur Verfügung gestellt worden ist, dass sie auch anfangen, selber zu lesen, selber in das Buch zu schauen und nicht nur auf den Mann oder Frau auf keinen Fall damals, glaube ich, auf den Mann da vorne zu hören, der mir sagt, was drinsteht, sondern selber da reinzugucken. Ich glaube, zumindest so habe ich mir das damals auch gemerkt. Na, ich hab das jetzt verstanden.

SPEAKER_01

Das ging damit einher, es war ja so, dass die Gottesdienste auch im Allgemeinen in Latein waren und Latein verstanden nur die Gebildeten. Das waren weniger damals. Das heißt, die große Mehrheit des Volkes konnte nichts verstehen. Deswegen zum Beispiel Hokus Bokus kommt von Hok est corpus, das sind die Abend als Einsetzungsworte. Dieses ist mein Leib, sagt Jesus, und wenn ihr das und mein Leib wird für euch gegeben und ihr est davon. Also deswegen, wir teilen Brot miteinander, symbolisch, weil Jesus for uns am Kreuz gestorben ist. Und das heißt Lateinisch, hoc est corpus meus, das ist mein Körper, mein Leib. Und weil die Leute das nicht verstanden, was der Priester da vorne macht, sagte man ein Hokus, der macht Hokus Bokus. Aber das ist ein Zeichen dafür, dass die Leute gar nicht verstanden haben, was der da vorne gemacht hat. Und Martin Luther hat angefangen auf Deutsch zu predigen. Er war nicht der Erste. Ich habe ihn ja in Prag studieren dürfen, da gab es 100 Jahre vorher, schon Jan Hus und andere, die haben auch schon auf Tschechisch gepredigt und damit die Leute auch verstehen, was da in der Bibel steht und die biblischen Geschichten verstehen. Also das war eigentlich schon eine Aufklärungsarbeit damals von Martin Luther, dass er gesagt hat, die Leute sollen auch wissen, worum es geht. Er hat auch einen Katechismus geschrieben, also ein Lehrbuch, wie man den Glauben verstehen sollte kann.

SPEAKER_02

Okay, verstehe. Und mal so einmal so einen Blick in die Zukunft, ob nun 15 oder 50 Jahre, gibt es, wird es einen Moment geben, wo Katholiken und Evangelien zusammenfinden, irgendwann mal wieder, weil sie sich darauf berufen, wir haben doch beide eigentlich denselben Ursprung oder an wes wir glauben oder worauf das basiert? Der Oberbegriff sind ja die Christen, so mehr oder weniger. Oder ist das ganz abwegig, dass das ist?

SPEAKER_03

Der Jena trägt gerne Weer, der andere trinkt gerne Pilz. Ja, aber es sind zwei verschiedene uns aber zusammen in der Kleinperson.

SPEAKER_01

Das ist ja nicht nur Geschmackssache wie Weer oder Pilz, sondern da hängen ja Glaubensdinge zusammen. Also zum Beispiel das Verständnis, was für die Katholiken das Verständnis ist, ist, wenn der Priester diese Einsetzungsworte spricht und bestimmte Worte zur Einsetzung des Abendmahl, dann verwandelt sich diese Oblate, die gebacken ist, aus Mehl in den Leib Christi. Und das ist dann der Leib Christi. Sieht zwar aus wie Brot, ist aber der Leib Christi. Das ist das Verständnis, und das war anfangs bei Martin Luther auch noch so. Und deswegen muss das immer auch, wenn das nicht alles aufgegessen wird beim Abendmahl, muss das extra weggeschlossen werden im sogenannten Tabernakel, weil das heilig ist und das kann man nicht einfach wegschweißen oder aussortieren oder anderwertig noch essen. Bei uns ist es im übertragenen Sinne das Verständnis, dass wir sagen, das ist symbolisch. Wenn wir Brot und Wein miteinander teilen, dann ist Jesus unter uns und wir sind sein Leib im übertragenen Sinne. Da geht es nicht um diese eine Sache, sondern also glaubensmäßig Unterschiede, die man nicht einfach wegwischen kann und auch nicht soll. Da war auch die Frage, können wir nicht eine gemeinsame Kirche bilden oder gründen? Und da bin ich etwas skeptisch, weil ich denke, wir haben unsere Glaubenserfahrungen und unsere eigenen Art und Weise entwickelt. Und die hat auch was für sich. Also wir können auch von den Katholiken was lernen und die Katholiken können von uns was lernen. Und das hat ja alles immer seine historische Gewordenheit, wie das entstanden ist. Und ist auch begründet so. Und da einfach eine Einheitskirche draus zu machen und einen Einheitsfrei, fände ich nicht gerade gut. Aber was ich gut fände, ist, dass wir eins sind im Gedanken. Also zum Beispiel bei der Abendmaßfeier ist es so, dass wir jedenfalls der Ordnung nach bei den Katholiken nicht am Abendmahl teilnehmen dürfen, an der Eucharistie. Und wir als Evangelische laden die Katholiken aber herzlich ein. Das wäre mein Wunsch, weil ich denke, wir gehören alle zu dem einen Jesus Christus. Und das ist das, was sie eben gesagt haben. Also insofern eins und verbunden. Trotzdem fände ich aber es nicht förderlich, wenn wir jetzt einfach alle alles, was geworden ist, was ja auch irgendwo seine Begründung hat, über den Haufen schmeißen und sagen, ist jetzt egal, ob evangelisch-katholisch, wir machen eine Einheitskirche, Einheitsbrei rühren einmal um. Und dann sondern es ist jetzt gerade spannend mit uns, wir haben im September schon geplant, einen Abend, wo wir fragen, was ist evangelisch, was ist katholisch. Up-to-date mit meiner Frau. Dadurch, dass die Katholiken zu uns kommen und uns fragen, fangen wir selber nochmal neu, auch unsere Leute in der Kirchengemeinde, unsere Kirchenältesten, wir fangen nochmal an zu überlegen, ja, was ist uns eigentlich wichtig? Und das finde ich einen spannenden Prozess.

SPEAKER_03

Siehst du, mein Lieber, jede dumme Frage hat auch seinen Ursprung. Und offensichtlich war es ja nicht so blödlich zu fragen. Interessant auf jeden Fall mal aufgeklärt zu bekommen. Also einen Einheitsbrei kann man nicht machen und es sind ja auch ja tausend alte Kulturen, die sollte man ja nicht einfach in den großen Topf zusammenmischen.

SPEAKER_02

Aber theoretisch in der Kirche könnte man sich eine Kirche teilen? Ja, oder hat eine Kirche immer einen Namen oder eine Funktion, die nicht verändert werden sollte. Weil Kirchen sind doch Kirchen sind gesegnet. Oder geweiht.

SPEAKER_01

Wobei das eben auch unterschiedlich ist, katholisch, evangelisch nochmal unterschiedlich gewichtet wird. Ich weiß, jetzt kann das über die katholische Seite gar nicht genau sagen, wie es da jetzt auch heute gehandhabt wird. Es war früher so, dass eine Kirche immer geweiht wurde, indem eine Reliquie, also irgendein Bestandteil von irgendeinem Heiligen, entweder ein Knochen oder ein Teil von Jesu Kreuz oder irgendwas da reinkam. Das ist auch was, was Martin Luther kritisch gesehen hat. Weil ihm wohl schon damals klar war, dass die vielen Splitter des Kreuzes, die überall auf der Welt rumgeistern, nicht alle von dem einen Kreuz stammen können.

SPEAKER_03

Ich meine, sie mit dem Beele zerspargeln.

SPEAKER_01

Und aber da gibt es unterschiedliche Verständnisse. Und das ist jetzt spannend bei uns, dass wir merken in dem Prozess mit der katholischen Gemeinde, dass die das gar nicht so streng nehmen. Also dass sozusagen, wenn sie jetzt die Kirchengemeinde für sich nutzen, die Kirche in Schildow für sich nutzen, dass wir die dann nicht mehr nutzen könnten oder so, sondern wir können die gemeinsam nutzen. Und die feiern ihre Gottesdienste drin und wir feiern unsere Gottesdienste drin. Und wir richten uns so darauf ein mit all den Dingen, die da dran hängen.

SPEAKER_03

Die Katholiken mit Weihwasser überspitzt, die Kulisse wird ein bisschen angepasst und dann passt das eigentlich für beide Seiten, so als Art, Büro oder Teilungsgemeinschaft, so die Katholiken schieben dann noch ihr Weihwasser hin und in Kublaten und machen sich jetzt so, dass es für die passt und kann man eigentlich zusammen nutzen.

SPEAKER_01

Und ich habe mich ein bisschen dagegen verwehrt, weil dann

Räume Teilen Mit Katholiken

SPEAKER_01

die Frage war, stellen wir für die Katholiken dann irgendwas, eine Marienstatue hin und wenn wir da sind, dann räumen wir sie wieder weg, da dachte ich, das wäre eigentlich für mich Theater. Das wäre eigentlich, also wenn, dann müssen wir uns beide auf was ein, wo wir beide mit leben können. Das fände ich jetzt blöd, wenn wir da Kulissenschiebe reinmachen. Sondern die Kirche soll als Raum, und da sind wir vielleicht dann eins tatsächlich, als Raum für uns beide, als heiliger Raum, als Gottesdienstraum so sein. Und das ist ein spannender Prozess. Da haben wir jetzt, die Katholiken haben, die heißen ja St. Katharinen in Schildu. Das ist auch verankert in dem Ort. Also früher vor der Reformation hieß die Kirche auch schon St. Katharinen, nach der Heiligen Katharina. Und es gibt ja auch nach den Katharinensee. Also in Schildu ist die Katharina beheimatet oder der Katharin, die Katharinenverehrung. Und ich habe schon seit Jahren gedacht, Mensch, das ist eigentlich schade, dass wir den Katharinennamen nicht für unsere Kirche, aber jetzt haben die Katholiken den. Und jetzt ziehen sie bei uns ein und jetzt müssen wir mal gucken, wie wir damit umgehen. Aber es wird ein Katharinenbild bei uns in die Kirche einziehen, dass die da jetzt beim, die müssen jetzt alle ihre Sachen durchsuchen und durchlaufen auch einen schmerzlichen Prozess, dass sie überlegen müssen, Mensch, was heben wir auf, was können wir mit drüber nehmen, was geht nicht. Das merke ich auch, dass das für die teilweise ziemlich an die Substanz geht. Also es ist ja wie wenn wir umziehen und wir müssen uns von bestimmten Sachen trennen, die nicht mehr gehen in der neuen Wohnung. So erleben die das. Und dieses Bild haben die gefunden und haben gesagt, die Katharina würden wir gerne mitnehmen und die kriegt jetzt ihren Platz bei uns in der Kirche.

SPEAKER_03

Oder ansonsten, ich meine, so wie ich als Unternehmer, ich habe meinen Schuhguard Self-Storage irgendwo, da so ein Ding anmieten, alles einlagern, bis der nächste Feld zukommt, ich sage jetzt mal, oder die nächsten 100 Jahre rum sind und dann kann man es ja wieder rausnehmen und weiterverwenden, sondern es wird jetzt dann alles weggegeben. Nee, es gibt bestimmt Lager, ne?

SPEAKER_01

Es ist die Frage, wenn es wirklich solche Sachen sind wie solche Heiligenbilder oder so, die auch künstlerisch, kunst denkmalpflegerisch interessant sind und wichtig sind oder die noch einen anderen Wert haben. Haben als einfach bloß einen Kunstwert. Dann muss man tatsächlich überlegen, kriegen wir das bei uns in der Kirche noch unter in Schildo oder finden wir einen anderen Ort oder kann das eine andere Gemeinde bekommen, die noch was sucht. Oder so. Ansonsten bin ich auch dafür, mal irgendwann auszusortieren und wegzuschmeißen.

SPEAKER_03

Wenn wir den jetzt hier in Schildo oder Mühlenmeck, irgendwelche heiligen, geheim wichtigen Sakramente. Sakrilik, Sakrilikte. Nee, wir hast ja nichts. Sakrilikt? Sakrelikt? Gibt ja hier in Italien, da gibt es die Madonna, die der weint. Oder sonst wie gibt es hier in der Gegend auch so eine Heiligen nicht.

SPEAKER_01

Sowas gibt es ja nicht.

SPEAKER_03

Okay.

SPEAKER_01

Kann sein. Und das ist also. Oder wir dürfen es nicht erfahren. Wir dürfen es nicht erfahren, oder? Also die Frage ist natürlich auch gestellt worden jetzt, als wir neulich Gemeindeversammlungen hatten, wo alle Gemeindeglieder eingeladen waren, zu diesem Umzug. Was bedeutet es jetzt für uns als evangelische Gemeinde? Und da ist auch die Frage gestellt worden, welche Bedeutung hat denn dieses Katharinbild für die Katholiken? Beten die praktischen Heilige an oder beten die Gott an? Und da habe ich gesagt, das musst du nachher fragen bei unserem Gemeindeabend. Frag die Katholiken selber. Sie sollen es sagen. Und das ist das Spannende jetzt, dass wir ins Gespräch kommen und dadurch einerseits die Katholiken, aber auch wir herausgefordert werden. Selbstverständnis auch ein bisschen mehr. Was ist eigentlich mein Selbstverständnis sonst, also wir sind streng genommen, sind wir eine lutherische Gemeinde, nach Martin Luther, aber es heißt allgemein immer nur evangelisch. Das hat mit Preußen zu tun, weil der preußische König irgendwann mal die Kirche vereinigt hat. Und zwar die lutherischen Gemeinden und die Reformierten. Hatte ich vorhin gesagt, die Flüchtlinge, die irgendwo aus katholischen Gegenden kamen und die einen anderen evangelischen Glauben hatten. Und die hat der preußische König die 1817 zusammengebunden und dann heißt es evangelisch, aber da gibt es lutherische Gemeinden und Reformierte. Gemeinden, die Reformierten sind in der Minderzahl, die wissen, wer sie sind und haben ihr eigenes Verständnis. Aber die lutherischen haben es irgendwie mehr oder weniger, das ist allgemein evangelisch. Und deswegen ist es gut, wenn wir mal nochmal drauf gestoßen werden, wer sind wir eigentlich?

SPEAKER_02

Jemand anderes kennenlernen und sich selbst auch nochmal kennenlernen.

SPEAKER_03

Ja, ist ja manchmal wichtig zu wissen, wo man herkommt und zu wissen, wo man hingeht. Oder was rum? Man weiß es nicht. Dazu sind wir da als Kerl für diese Frage.

Pfarralltag Zwischen Seelsorge Und Verwaltung

SPEAKER_03

Und jetzt habe ich noch eine Frage, Herr Pfarr. Wie sieht Ihr Tag aus? Wir stehen morgens auf und dann ist das Erste natürlich, sie telefonieren mit ihm da oben und dann geht ja ihr Tag los und sie haben sicherlich irgendwie welche Meetings oder müssen wir wohin oder dann gibt es mal für mich hat es. Für mich hat das irgendwie angehört, als wenn sie ein Geschäftsführer werden. Naja, am Ende.

SPEAKER_01

Das ist tatsächlich so, dass ich ein schnell schneller Pfarrer bin. Ja. Und ich habe im Moment auch den Vorsitz im Gemeinde Girchenrat, weil es nicht einfach war, jemanden zu finden, der für vier Dörfer den Vorsitz übernimmt. Eigentlich ist das Bestrebend, dass das nicht der Pfarrer oder die Pfarrerin macht, sondern dass es jemand von den Ehrenamtlichen macht, den Vorsitz. Aber das war natürlich nicht einfach, kann ich auch nachvollziehen, weil die Schildwahr nun nicht wissen, was in Schöner Linde und oder an blanken Felde läuft. Und deswegen muss ich das jetzt zusammenbinden. Mache ich aber gerne. Insofern bin ich auch Geschäftsführer und habe zum Glück seit anderthalb Jahren, seit dieser Fusion auch eine wunderbare Gemeindesekretärin, die total fit ist und ganz viel Hintergrundarbeit macht. Das ist für mich eine große Hilfe und Entlastung. Das sind natürlich die ganzen Dinge, die auch nebenher immer laufen. Irgendwelche Dinge. Dann ruft der Förster an, vom Kirchenwald, Verkehrssicherung, wir werden jetzt hier noch Bäume fällen in einer schön fließerst Straße oder so, sowas zu klären oder ob das aus eigenen Kräften passieren kann. Oder Bausachen mit den Gebäuden oder Feuerlöscherüberprüfung oder sonst was. Das sind all die Dinge, die nebenher laufen und die natürlich auf den Tag kurz machen. Ich gucke bloß auf heute. Ich hatte jetzt nachmittags zwei Beerdigungen. Das ist für mich mal eine besondere Herausforderung, weil man dann aufpassen muss, dass man nicht bei der zweiten Beerdigung nochmal den Namen oder irgendwas verwechselt, dass es wirklich klar ist, dass man sich der betreffenden Person zuwendet und da ist. Und das will natürlich auch vorbereitet sein. Und dann kommen mal zwischendurch noch irgendwelche Anrufe oder irgendwelche Anfragen. Dann gibt es morgens erstmal die ganze Mailpost. Das kennen Sie sich ja auch, was alles beantwortet werden muss und was ganz dringend unbedingt ist.

SPEAKER_03

Also auch die Kirche hat ein CEO und Geschäftsführer, logischerweise, der muss ja auch gemanagt werden und ist ja auch eine für die Kirche eigentlich auch Steuern. Also ist das eine Körperschaft.

SPEAKER_01

Wir sind eine Körperschaft öffentlichen Rechts und müssen keine Steuern zahlen bisher, aber es ist jetzt durch ein neues Gesetz, ich weiß nicht, wann das letztlich dann greifen wird, oder irgendwann fängt es jetzt an zu greifen, dass wir auch Steuern zahlen müssen. Das hat aber mit einem kommunalen Gesetz zu tun, weil vor ein paar Jahren gesagt wurde, die Kommunen dürfen nicht Sachen steuerfrei machen, sondern auch die Kommunen müssen Umsatzsteuer zahlen. Und dann sind wir automatisch als Kirche, rutschen wir da mit rein und müssen jetzt demnächst auch für bestimmte Sachen Umsatzsteuer zahlen.

SPEAKER_03

Also sind wir ja, ich mit meiner GmbH und Sie mit Ihrer Kirche irgendwie artverwandt. Ja. Außer dass wir keinen heißen Draht haben und aber am Ende dieselben Aufgaben und dieselben Pflichten irgendwie. Kriege ich auch so mit. Ist auch ein Unternehmen. Wollte der damit sagen, ist Unternehmen. Okay, witzig.

SPEAKER_01

Und mit einer Art Aufsichtsrat, das ist unser Gemeindekirchenrat. Da sind also Laien und Älteste, die ehrenamtlich das alles machen.

SPEAKER_02

Ja, das ist wie so eine AG, ne? Ja. Bevor wir jetzt gleich zum Ende kommen, wollen wir gemeinsam noch irgendwie so einen kleinen Blick in die Gegenwart oder in die Zukunft werfen, was Ihre Kirchengemeinde sich gerade bewegt, ja, was bewegt sie gerade oder was wird sie bewegen und was findet vielleicht auch noch dieses Jahr

Jugendcamp Silent Disco Und Gospel

SPEAKER_02

statt?

SPEAKER_01

Ja, also ich bin gerade noch ganz bewegt von den Tagen bis vorgestern. Wir waren fünf Tage mit Jugendlichen unterwegs, mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden. Nicht nur mit unseren, von uns aus Schildo waren sechs mit dabei, aber insgesamt waren es über 100 junge Leute, die auf die Konfirmation zugehen im nächsten Jahr. Und 50 junge Leute, die schon konfirmiert sind und uns als Jugendleiter zur Verfügung standen im Zeltlager. Und wir haben also mit denen drei Tage intensiv inhaltlich gearbeitet. Und das Tolle an diesem Format ist, dass nicht wir als Pfarrer da und ich als alter Mann da stehe und mit den Leuten irgendwas inhaltlich über eine biblische Geschichte mache, sondern dass das die Jugendlichen machen. Es wird natürlich vorher mit denen abgesprochen, was die mit den Konfirmanden machen, aber die haben diese inhaltliche Arbeit, Kleingruppenarbeit gemacht. Und dann ist das Nachmittagsprogramm mit Workshops und Baden gehen und abends für mich das Highlight immer Silent Disco. Ich weiß nicht, ob Sie das kennen. Alle kriegen Kopfhörer auf, mit drei Kanälen und da laufen drei verschiedene Musiktitel drauf. Und das ist ein Gaudi, das da dabei zu sein, auch wenn ich nicht immer mittanze, aber also solche Sachen. Und das ist total bewegend und schön zu sehen, wie die jungen Leute da mitmachen, auch mitsingen. Ich bin, auch wenn ich nicht Musiker bin von Beruf, aber musikalisch doch bewandert und singe gerne und mache gerne Musik, habe da in der Band mitgespielt. Und die über 100 Leute haben da auch kräftig mitgesungen. Und das ist ja auch. Und dann macht das Spaß. Das ist richtig schön. Und wir gehen auch auf ein musikalisches Erlebnis zu. Ende August kommt unsere Gospelsängerin wieder, Adrienne Morgan Hammond, die jetzt mittlerweile, ich glaube, 20 Mal oder ist sie jetzt schon das 21. Mal, muss ich nochmal nachzählen. Viele Jahre jedes Jahr da war und die singt nicht nur selber ein Konzert, sondern es gibt vorher einen Workshop. Und da können sich auch bis jetzt immer noch Leute anmelden. Und da braucht man keine Notenkenntnis und nichts. Es gibt bloß die Texte und sie singt vor und wir singen nach.

SPEAKER_03

Ein bisschen mit Gospeln quasi.

SPEAKER_01

Und mit Gospeln, mit bewegter Musik. Und das macht einen Heidenspaß, ist nicht, ist auch ein bisschen anstrengend, weil das wirklich, also beginnt Freitag und dann Sonnabend den ganzen Tag und erfordert ein bisschen Konzentration und vor dem Konzert, wenn wir dann die Lieder gemeinsam singen, denkt man, Mensch, jetzt ist alles weg. Ich weiß gar nicht mehr, wie es war. Und wenn das Konzert losgeht, ist alles da. Und es entsteht eine wundervolle Atmosphäre.

SPEAKER_02

Interessierte melden sich bei Ihnen? Wie? Interessierte, die mitmachen wollen, melden sich bei Ihnen oder bei Ihnen?

SPEAKER_03

Ich meine, klingt ja eindeutig raus, als wenn das was für die Nordbahn-App wäre. Ich glaube, die Veranstaltung mal in der Karte. Die Nordbahn-App, vielleicht meldet sich ja die Christoph. Nee, jetzt müssen wir nochmal den Namen nochmal.

SPEAKER_01

Christophorus, Evangelische Christoph. Christophorus-Kirchengemeinde an der Mönchmühle.

SPEAKER_03

Genau, vielleicht meldet die sich ja auch selbst direkt bei der Nordbahn-App an. Da können wir diese wunderschönen Events dort quasi lesen. Keiner verpasst es.

SPEAKER_02

Okay, macht aber stimmt. Wenn du das jetzt nochmal korrekt wiederholst. Die evangelische Christophorus-Kirchengemeinde. Ich glaube, evangelische Kirchengemeinde Christophorus.

SPEAKER_01

Das war jetzt aber ganz schön erbsen. An der Mönchmühle, weil unbedingt ein regionaler Bezug dabei sind.

SPEAKER_03

Okay. Den Logo-Designer möchte ich aber sehen, der das als Logo verpackt. Aber gut, wir haben gehört, das sind die Blätter.

SPEAKER_01

Wir haben als Logo jetzt einfach den Christophorus als Bild mit einem Kind auf der Schulter und mit grünen Blättern. Ah, okay. Das ist einfacher als

Nordbahn-App Und Verabschiedung

SPEAKER_01

dieser lange Name.

SPEAKER_02

Sehr schön. Schön. Herzlichen Dank, dass Sie der Einladung gefolgt sind, dass wir heute die ja nur kurz anschneiden konnten.

SPEAKER_03

Ich habe ein paar erleuchtende Worte quasi über die einen oder anderen Themen. Warum Evangelien, warum Katholik, wie das zustande kam. War mal interessant, finde ich gut.

SPEAKER_01

Also wenn Sie noch mehr über katholisch wissen wollen, da bin ich nicht so bewandert. Das reicht mir. Dann sollte man das nochmal mit dem katholischen Pfarrer gemeinsam.

SPEAKER_03

Ja, aber das reicht mir so. Das war der Kernunterschied, weil jetzt als nichtgläubiger Wesmannswart gibt es, die einen sind ein bisschen strenger, die anderen sind ein bisschen lockerer, das war immer so mein Verständnis für, aber jetzt weiß ich auch ungefähr, woher es kommt. Das passt schon.

SPEAKER_01

Aber ich kann es natürlich nur aus meiner Sicht sagen. Aber die finde ich ganz gut.

SPEAKER_03

Das reicht mir die Sicht.

SPEAKER_02

Schön. Gut. Dann Dankeschön fürs Zuhören. Danke, dass Sie heute hier bei uns waren, Herr Hasse. Dennis, ich würde sagen, das war's für heute. Tschüss und Ciao sagen heute. Patrick und Dennis. Tschüss.

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